Wo kann das anders sein als in „LEER – Historische Altstadt“?

Früher, so wurde erzählt, gab es hinter der „Waage“ jedes Jahr einen Maibaum. Am letzten Aprilabend fanden sich die Bewohner der umliegenden Altstadthäuser da ein und stellten ihren Maibaum auf, den sie nach dem feiern auch die ganze Nacht bewachen mussten. Eine lang geübte Sitte mit der dem Winter „ade“, dem Frühling „willkommen“ gesagt wurde.

Mit dem Verfall großer Teile der Altstadt ging die schöne, alte Sitte unter. Unterkünfte für Vertriebene, Ausgebombte und Flüchtlinge mussten Vorrang haben – die Altstadt verfiel. Der Platz hinter der „Waage“ lag wenig später ohne Leben da.

Es waren die Bewohner dieses Stadtteils, die sich im Zuge der Sanierung von Straßen und Häusern darauf besannen, wie es früher einmal war. Sie wollten gern ihren Maibaum wieder!

Die Freiwilligen im „Schipper Klottje“ sollten ihnen helfen. „Könnt Ihr das nicht machen?

„Treffen Traditions Schiffe unner’t Rathuustoorn“, „Museumshafen an`t Oever“, „Wiehnachtsmarkt achter d’Waag“ – das hatten sie schon gemacht. „Maiboom auch noch? Das dürfte nicht nach Arbeit aussehen!“ Den Eindruck hat man auch nicht, wenn man die vielen Frauen vom „Schipper Klottje“ beim Rosenfalten beobachtet. An langen Tischen in der großen Halle von Blumen Stöhr gleicht das mehr einem Kaffee-Klatsch. Draußen binden die Männer meterlange Girlanden und winden den großen Kranz. Wenn alles fertig ist sitzen alle noch eben bei Bratwurst und Getränken zusammen. Arbeit? „Nee, es hat Spaß gemacht…“. Und jeder kennt ja nur das verbindliche „Du“. Pfarrer, Manager, Hochsee-Kapitäne, Chirurgen, Arbeitslose und Handwerker – beim „Schipper Klottje“ gibt es nur den Menschen, nur das „Du“.

Am Vorabend des 1. Mai, gegen 18.00 Uhr, kommen sie wieder zusammen. Die Haltetaue des etwa 6 m großen Maikranzes werden mit Girlanden behängt, unzählige bunte Papierrosen werden in den Kranz und die Girlanden gesteckt und dann ziehen 6 Männer gemeinsam den Kranz nach oben. Auch die „Eerdmanntjes“ werden helfen.

Hoch von einem Hubsteiger werden die Haltedrähte gespannt und der grüne Mai-Zweig zum Abschluss festgesetzt.

Dann wird es eben stille um 19.oo Uhr wenn Pastor Claus Dreier mit einer kurzen, plattdeutschen Andacht die neue Jahreszeit begrüßt, den „Frühling“.

Lang – langjährige Freunde und Begleiter des „Schipper Klottje“ sind die Frauen und Männer vom „Bingumer Shanty Chor“. Sie haben Textzettel mitgebracht und laden ein zu einer gemeinsamen Gesangsrunde mit alten Mailiedern.

„Wir möchten LEER -Historische Altstadt mit Leben füllen,
möchten Menschen zusammenführen“

sagen die vom „Schipper Klottje“ – hier tun sie es mit „ihrem Maibaum“, der ganz sicher anders vermittelt , als an vielen anderen Stellen.

Maiboom wor´t am moisten is
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