Museum – aus dem altgriechischen ein Musentempel. Das ist eigentlich der vom „Schipperklottje“ Leer geschaffene „Museumshafen an’t Oever„, nicht. Ja, wenn es eine Muse des Einsatz von Freiwilligen gäbe, dieser Muse wäre gewiss mit dem Geschaffenen ein Tempel gebaut, da wo heute am alten Ladeplatz hinter der „Waage“ Schiffe von früher liegen. Schiffe von früher, auf denen die Ahnen der Leeraner Reeder ihnen Unterhalt schufen.

Am internationalen Museumstag werden diese Schiffe geöffnet. Auf dem 92 Jahre alten Schlepper „Bertus Freede“ stehen die kleine Wohnung, das Steuerhaus und der Maschinenraum offen. Wer möchte nicht dem 80 Jahre alten Deutz-Diesel lauschen?

Oder „Trude“—so heißt ein kleiner Schlepper von 1939, in dem noch die erste Maschine steht, ein Deutz Diesel 2 Zyl. etwa 50 P.S.

Schlepper wie die „Bertus Freede“ zogen bis in die 50er Jahre von Emden aus je zwei Kähne mit Erz Richtung Ruhrgebiet, die „Trude“ verbrachte ihr Arbeitsleben auf Kanälen in Holland. Dann tuckert so ganz ruhig auch noch die „Mirjan“ vor sich hin, die segelnde Binnenschiffe schob, wenn kein Wind wehte.

Zwei Masten, braune Segel, große Seitenschwerter, der Besan-Ewer „Friedrich“. Mit jungen Menschen, die ihren Weg noch nicht gefunden haben, mit Kindern die eine Krebsbehandlung hinter sich haben segelt er auf Ems und Dollart, zu den Inseln oder nach Holland. Ein Faltblatt erzählt von den Möglichkeiten des über 100 Jahre jungen Schiffes.

Ein eigenes kleines Museum ist die „Altje“, der Bültjer Nachbau einer hölzernen Tjalk. Originalgetreu ist das Torfschiff jener Tjalk nachgebaut, deren Bug und Heck im Heimat Museum zu finden sind. So ist vor wenigen Jahren ein Schiff entstanden, wie viele, viele Ende des 19. Jahrhunderts auf den ostfriesischen Fehnen gebaut wurden -draußen, unter freiem Himmel auf einfachen Helligen. In der kleinen Tjalk hat Albert Wehner ein richtiges kleines Museum geschaffen, in dem vieles erklärt wird..

Fehlt noch der kleinste Schlepper Europas, die „Keerlke“. Mit allem Drum und Dran ist sie der Botschafter der Stadt Leer und des „Schipperklottje“ bei Treffen in Holland oder Deutschland.

Soweit die sechs Traditions-Schiffe, die dem „Schipperklottje“ oder der „Schippergilde ‚Friedrich‚“ gehören. Betreut, gepflegt und gewartet werden sie von Freiwilligen im „Schipperklottje“.

Manche, manche Stunde arbeiten sie an und auf den Schiffen und schaffen damit neben dem Unterhalt auch die Ausstrahlung des „Museumshafen an’t Oever“ in Leers historische Altstadt. Wohl kaum ein Platz in Leer zieht so viele Besucher, wird so oft fotografiert.

Neben für die vorgenannten Vereins Schiffe haben die Freiwilligen noch Anlegeplätze für 16! weitere Traditions-Schiffe geschaffen. Darunter ein 30 m langer Zweimast-Klipper, mehrere Binnen- und Seetjalken, hölzerne Fischkutter, eine Hoogars, einen Fischerkahn von der Ems, Schlepper und sogar eine Tjalk, die von Betreuten bei der Lebenshilfe gebaut  wurde.

22 Traditions-Schiffe insgesamt! Damit dürfte der „Museumshafen an t’ Oever“ in Leer-Historische Altstadt zu einem der bedeutendsten Museumhäfen entlang der Nordseeküste geworden sein.

Eine Hommage an die Vorfahren der Leeraner Reeder, eine unwahrscheinliche Leistung der freiwilligen Frauen und Männer im „Schipperklottje“, wahrhaft ein unglaublich wertvolles und nützliches Geschenk an die Stadt Leer – ein Museum.

Sonntag, 22. Mai 2016 – Internationaler Museumstag
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