Verschlickung der Ems - Welche Lösung?
Gehen wir doch im Gedanken einmal den Überlegungen nach, die vor dem Hintergrund der offensichtlich verschlickten Ems angestellt sind.
1. Die "Meyer-Werft" muss weg!
Keine Baggerungen mehr, die Ems wird wieder sauber! Kann das denn stimmen?
Die Flut (das aufkommende Wasser) läuft deutlich kürzer auf. Sie rauscht geradezu in den Fluss hinein.
Die Ebbe (das abfließende Wasser) lässt sich immer deutlicher mehr Zeit. Die enthaltenen Schwebstoffe, von der Flut eingetragen, sinken bei dem langsamer laufenden Ebbstrom ab. (Siehe Tide-Kalender heute und vor 10 Jahren.). Soweit die Natur.
Die "Meyer-Werft"? Kann es ein vertretbares Ansinnen sein, einen solchen Betrieb heute noch verlagern zu wollen? Wie viel Fachkönnen, wie viel innerer Einsatz ist nötig, gegen einen sehr starken Wettbewerb "Mercedes" unter den Kreuzfahrt-Schiffen zu bauen! Warum lassen die Kunden aus aller Welt ihre Schiffe bei "Meyer" bauen? Und sind es nicht die Kunden, ist es nicht der Markt, der die Größen bestimmt?
2. Ein Kanal von Papenburg nach Leer!
Lassen wir doch Machbarkeit, Kosten, Bauzeit mal weg.
Wie wird sich dann unsere Ems verändern? Dass dann die unbenutzte, nicht mehr gebaggerte Ems zum Wassersport-Eldorado zwischen Leer und Papenburg/Herbrum wird? Kann das, wenn heute 80% der Baggerkosten in diesem Abschnitt entstehen?
Wohl kaum! Ich halte diese Aussage für nicht ehrlich. Ganz schnell würde dieser Ems-Abschnitt verschlicken. Weener, die jetzige Einfahrt Papenburg und Herbrum wären in wenigen Jahren nicht mehr vom Wasser aus erreichbar.
3. Eine Schleuse ins Sperrwerk!
Ganz sicher, wenn dann das Sperrwerk bei Gandersum ein Damm würde, eine große Schleuse auch für die Papenburger Schiffe eingebaut würde - dann - ja dann könnte die Ems von Gandersum bis über Papenburg hinaus, wieder sauber werden.
In diesem Abschnitt würde die Ems ein Binnengewässer, ohne Ebbe und Flut. Die Schwebstoffe würden absinken, in großen Zeitabständen ausgebaggert werden. In Leer sollten wir uns freuen, in Weener ebenso.
Nur - was wird sich dann unterhalb des Sperrwerks, Richtung See entwickeln? Bleiben wir zunächst einmal beim Schlick. Der würde sich vor dem Sperrwerk absetzen, in Ditzum, in Emden, in Delfzijl. (Wo heute schon 10 cm Schlick in einem Monat! anfallen.)
Und jetzt gehe ich zum Beginn meiner Überlegungen zurück, zum Absinken des Bodens, zum Anstieg des Meeres-Spiegel, zur Gefahr schwerster Orkane.
Das Sperrwerk ist zu ? wohin sollen die sturmgepeitschten Wassermassen, die solange in Ems und Leda noch Raum hatten? Wir haben das 2007 erlebt, Sperrwerk dicht, Ditzum Außenhafen, Emden, Delfzijl - die Häfen liefen über, die Flut spülte die Schlickmassen auf die Kaden.
...und es war keine klassische Sturmflut, hatte doch der Sturm nachgelassen bevor der höchste Wasserstand erreicht war. Jetzt, vor knapp 2 Jahren. Das Absinken des Bodens, das Ansteigen des Meeres-Spiegel hat sich noch nicht ausgewirkt.
Was wird mit den Deichen entlang der Außen-Ems? Halten sie einem erhöhten Druck plus den zu erwartenden Veränderungen stand?
"Wenn wir nicht unsere Deiche wesentlich erhöhen und verstärken, versaufen wir!" So brachte es der Direktor von Sea-Port Groningen Herr Post auf einen Nenner, und zeichnete während des Gesprächs einen Damm von der holländischen Küste quer über die Ems zur deutschen Küste.
4. Ein Damm mit großer Schleuse von holländischer Küste zur deutschen Küste
Wohl bin ich mir darüber im Klaren, dass Brüssels FFH - Ausweisung für Teile der Ems dem entgegenstehen, dass die Umweltgruppierungen Bedenken haben, dass die Entwässerungs-Verbände stärkere Pumpen anschaffen müssen, um das Binnenwasser aus den Hammrichen in Schach halten zu können.
Auch werden Machbarkeits-Studien notwendig sein, Folge-Studien ebenso. Wie wird es sich auswirken, wenn Ebbe und Flut an der Ems vorbeilaufen, wie in Zeeland, am IJsselmeer, an der Lauwers?
Nur - es gibt es eine wirkliche Alternative, wenn wir langfristig denken?
Die Kosten? Die Schleuse wird beim Papenburg-Kanal oder beim Sperrwerk in etwa die Gleiche sein wie in dem angedachten Damm.
Die zwingend notwendigen Deicharbeiten, grob von Eemshaven über Delfzijl rund um den gesamten Dollart bis zum Sperrwerk, an deutsche Seite vom Sperrwerk bis zum Damm ? die würden entfallen.
Wir machen uns schuldig - Niederländer wie Deutsche - wenn wir nicht gemeinsam unsere Regierungen und Brüssel auffordern, Schritte in diese Richtung zu geben.
Wir machen uns schuldig, wenn wir Zeit verstreichen lassen.
Anders die Verschlickung unserer Ems und damit aller Häfen am Fluss. Jahr für Jahr werden Zig-Millionen für Bagger-Arbeiten ausgegeben. Die Folgen werden bearbeitet, über die Ursachen wird nicht diskutiert.
Es ist nicht mehr zu bestreiten, dass das Land in der deutschen Krummhörn und im holländischen Groningerland absinkt. Der vor einigen Jahren notwendig gewordene neue Hafen in Delfzijl macht das deutlich. Das Land sinkt!
Und der Meeres-Spiegel steigt! Auch das ist nachgewiesen und bekannt. Die Klima-Veränderungen, der CO2-Ausstoß bewirken ein Abschmelzen der Eismassen am Nordpol.
Ein Drittes kommt hinzu: Wir haben nachweislich weniger Stürme - aber dafür deutlich härtere Orkane, die Hurrikan-Stärke erreichen.
Nach diesen Überlegungen - sie sind vom holländischen Institut in Wageningen belegt - ist die Verschlickung der Ems nur ein Teilproblem. Für uns vor der Haustür auch sicherlich am sichtbarsten.
Gleichwohl werden das Absinken des Bodens, das Ansteigen des Meeres-Spiegel und die zunehmenden Orkan-Stärken nicht erwähnt.
Bei allen Überlegungen sehen wir die drohende Gefahr nicht.



